ICT-Grundlagen

PD Array erklärt: Die vollständige ICT-Übersicht

12 Min. Lesezeit · Aktualisiert Juli 2026
Die wichtigsten Punkte
  • Ein PD Array (Price Delivery Array) ist jede technische Referenzzone, die ICT-Trader nutzen, um wahrscheinliche Reaktionspunkte im Preis zu identifizieren.
  • Order Blocks, Fair Value Gaps und Breaker Blocks sind die bekanntesten PD Arrays — es gibt aber weitere: Rejection Blocks, Mitigation Blocks, NDOG/NWOG und Balanced Price Ranges.
  • Nicht alle PD Arrays sind gleich stark — es existiert eine informelle Hierarchie nach Aussagekraft.
  • Ein PD Array in der Discount-Zone einer Range hat meist mehr Gewicht als derselbe Array-Typ in der Premium-Zone (und umgekehrt).
  • Confluence — das Überlappen mehrerer PD Arrays — gilt als eines der stärksten Bestätigungssignale in der gesamten ICT-Methodik.

Eine einfache Analogie zum Einstieg

Bevor wir in Fachbegriffe einsteigen, lohnt sich ein einfaches Bild. Stell dir eine belebte Fußgängerzone vor, in der die meisten Menschen ziellos umherlaufen — aber an bestimmten Stellen gibt es Schaufenster, Eingänge oder Kreuzungen, an denen sich auffällig viele Menschen kurz aufhalten, bevor sie ihre Richtung ändern. Ein Beobachter, der lange genug hinschaut, erkennt: Die Bewegung der Menge ist nicht zufällig verteilt — sie konzentriert sich an ganz bestimmten, wiederkehrenden Punkten.
Genau das ist die Grundidee hinter einem PD Array. Der Kurs eines Finanzinstruments bewegt sich nicht gleichmäßig verteilt durch den Chart, sondern reagiert überproportional häufig an bestimmten, identifizierbaren Preiszonen. Diese Zonen sind keine geheime Formel, sondern das sichtbare Ergebnis davon, wie Institutionen ihre Orders ausführen. Ein PD Array ist schlicht der Sammelbegriff für all diese unterschiedlichen Zonentypen — so wie „Schaufenster, Eingänge, Kreuzungen“ der Sammelbegriff für die verschiedenen Orte wäre, an denen sich die Menschenmenge in unserem Bild konzentriert.

Was ist ein PD Array? Die präzise Definition

Formal gesprochen ist ein PD Array (Price Delivery Array) jede technische, im Chart objektiv identifizierbare Zone, die innerhalb der ICT-Methodik als wahrscheinlicher Punkt für eine Preisreaktion gilt. Der Begriff ist bewusst als Oberkategorie gedacht: Er beschreibt keine einzelne Formation, sondern eine ganze Familie verwandter Konzepte, die alle demselben Grundprinzip folgen — sie markieren Orte, an denen institutionelle Orderausführung eine Spur im Chart hinterlassen hat.
Das ist ein wichtiger Perspektivwechsel gegenüber dem isolierten Erlernen einzelner Konzepte: Wer Order Blocks, Fair Value Gaps und Breaker Blocks bereits kennt, hat streng genommen schon drei verschiedene PD-Array-Typen gelernt, ohne dass diese bislang unter einem gemeinsamen Dach eingeordnet wurden. Dieser Artikel liefert genau dieses Dach — und ergänzt es um vier weitere Array-Typen, die bislang noch nicht behandelt wurden.

Die vollständige Liste der PD Arrays

Im Folgenden findest du eine vollständige, systematische Übersicht. Vier der acht Typen wurden bereits ausführlich in eigenen Artikeln behandelt; die anderen vier — Rejection Block, Mitigation Block, NDOG/NWOG und Balanced Price Range — werden hier zum ersten Mal vollständig erklärt.
ORDER BLOCK FVG BREAKER BLOCK LIQUIDITÄTSPOOL
Vier verschiedene PD-Array-Typen können gleichzeitig in einem einzigen Chart auftreten.
Order Block
Eigener Artikel vorhanden
Die letzte gegenläufige Kerze vor einer starken, strukturbrechenden Bewegung. Gilt als Fußabdruck institutioneller Orderausführung. Ausführlich erklärt in unserem Order-Block-Artikel.
Fair Value Gap (FVG)
Eigener Artikel vorhanden
Eine Preislücke aus drei Kerzen, die entsteht, wenn eine mittlere Kerze nicht fair gehandelt wird. Ausführlich erklärt in unserem FVG-Artikel.
Breaker Block
Eigener Artikel vorhanden
Ein durchbrochener Order Block, der die Rolle wechselt und danach in die entgegengesetzte Richtung wirkt. Ausführlich erklärt in unserem Breaker-Block-Artikel.
Rejection Block
Eigener Artikel vorhanden
Ein Rejection Block entsteht an einer Kerze (oder einer kleinen Kerzengruppe) mit außergewöhnlich langem Docht in eine Richtung — ein Zeichen, dass der Preis an dieser Stelle deutlich abgelehnt wurde. Anders als beim Order Block liegt der Fokus nicht auf dem Kerzenkörper, sondern gezielt auf dem Docht. Ausführlich erklärt in unserem Rejection-Block-Artikel.
Mitigation Block
Eigener Artikel vorhanden
Ein Mitigation Block ist die schwächere, weniger strikte Variante eines Order Blocks. Während ein „echter“ Order Block einer Bewegung vorausgeht, die einen vollständigen Market Structure Shift auslöst, entsteht ein Mitigation Block vor einer Bewegung, die zwar Liquidität abräumt und eine gewisse Reaktion zeigt, aber keinen vollständigen Strukturbruch erzeugt. Ausführlich erklärt in unserem Mitigation-Block-Artikel.
NDOG / NWOG (New Day/Week Opening Gap)
Eigener Artikel vorhanden
NDOG (New Day Opening Gap) bezeichnet die Preislücke zwischen dem Schlusskurs eines Handelstages und dem Eröffnungskurs des nächsten. NWOG (New Week Opening Gap) beschreibt dieselbe Lücke auf Wochenbasis. Ausführlich erklärt in unserem NDOG-&-NWOG-Artikel.
Balanced Price Range (BPR)
Eigener Artikel vorhanden
Eine Balanced Price Range entsteht, wenn ein bullisches und ein bärisches Fair Value Gap unmittelbar nacheinander auftreten und sich dabei überlappen. Ausführlich erklärt in unserem BPR-Artikel.
Liquidity Pool
Bereits behandelt
Eine Zone gebündelter Stop-Loss-Orders an alten Hochs oder Tiefs. Ausführlich behandelt in unserem Liquidity-Sweep-Artikel und im Artikel zu IRL & ERL.

Warum PD Arrays funktionieren: die institutionelle Logik

Alle PD Arrays teilen dieselbe zugrunde liegende Annahme: Große institutionelle Marktteilnehmer können ihre Positionen nicht in einem einzigen Moment aufbauen, ohne selbst massiven Einfluss auf den Preis zu nehmen. Jede der besprochenen Zonen — ob Order Block, Fair Value Gap oder Rejection Block — ist letztlich eine sichtbare Spur dieses Prozesses: ein Ort, an dem entweder Orders platziert wurden (Order Block, Mitigation Block), ein Ungleichgewicht durch zu schnelle Ausführung entstand (Fair Value Gap, NDOG/NWOG, Balanced Price Range), oder eine klare Ablehnung eines Preisniveaus stattfand (Rejection Block, Breaker Block).
Der Sammelbegriff PD Array ist deshalb mehr als nur ein Etikett — er verdeutlicht, dass all diese Konzepte keine voneinander unabhängigen Zufallsentdeckungen sind, sondern verschiedene sichtbare Symptome ein- und desselben zugrunde liegenden Mechanismus.

Die Hierarchie der PD Arrays

Nicht jeder PD Array ist gleich aussagekräftig. In der ICT-Community hat sich über Zeit eine informelle Rangfolge etabliert, die beschreibt, welche Array-Typen tendenziell zuverlässiger reagieren. Diese Rangfolge ist keine feste, wissenschaftlich bewiesene Regel, sondern eine verbreitete Faustregel, die auf gemeinsamer Praxiserfahrung basiert — sie sollte als Orientierung, nicht als Gesetz verstanden werden.
#PD ArrayTypische Einordnung
1Breaker Block + FVG (Unicorn)Höchste Gewichtung — zwei unabhängige Bestätigungen in einer Zone
2Order Block + FVGSehr hohe Gewichtung — klassische Confluence-Zone
3Balanced Price RangeHohe Gewichtung — vereint zwei FVGs in sich
4Einzelner Order BlockSolide, aber ohne zusätzliche Bestätigung schwächer als Confluence-Zonen
5Einzelnes Fair Value GapSolide, häufig als Zwischenziel statt als alleiniger Einstieg genutzt
6Rejection BlockNützlich, aber meist nachrangig gegenüber Order Blocks
7Mitigation BlockNiedrigste Gewichtung unter den Zonen-Arrays — dient meist nur als Zusatzinformation
Diese Rangfolge ersetzt niemals den Blick auf den größeren Kontext. Ein niedrig eingestufter Mitigation Block, der zusätzlich in der Discount-Zone einer Range liegt und mit einem Market Structure Shift zusammenfällt, kann im konkreten Fall aussagekräftiger sein als ein isolierter Order Block ohne jeden Kontext.

Premium- und Discount-PD-Arrays

Ein oft übersehener, aber entscheidender Faktor: Die Aussagekraft eines PD Arrays hängt stark davon ab, wo innerhalb einer Range er liegt. Wie im Artikel zu Premium und Discount erklärt, wird eine Range am Equilibrium in eine obere (Premium) und untere (Discount) Hälfte geteilt.
Ein bullischer Order Block, der in der Discount-Hälfte liegt, gilt als besonders hochwertig — er befindet sich dort, wo Käufe ohnehin bevorzugt gesucht werden. Derselbe bullische Order Block in der Premium-Hälfte wäre dagegen fragwürdiger: Er liegt in der Zone, die eigentlich für Verkäufe reserviert ist, und widerspricht damit der grundlegenden Range-Logik. Dasselbe Prinzip gilt spiegelbildlich für bärische Arrays in der Premium-Hälfte.
PREMIUM OB IN PREMIUM — SCHWACH DISCOUNT OB IN DISCOUNT — STARK
Derselbe Order-Block-Typ wird je nach Position innerhalb der Range unterschiedlich stark gewichtet.

Confluence: Wenn mehrere PD Arrays zusammenfallen

Der Begriff Confluence beschreibt das Überlappen mehrerer unabhängiger PD Arrays in derselben Preiszone. Das bekannteste Beispiel ist das im Breaker-Block-Artikel beschriebene „Unicorn-Modell“ — die Überlappung eines Breaker Blocks mit einem Fair Value Gap. Das Prinzip lässt sich aber verallgemeinern: Jede Kombination aus zwei oder mehr unabhängigen Arrays in derselben Zone erhöht in der Regel deren Gewichtung.
Der Gedanke dahinter: Ein einzelner Order Block basiert auf einer einzelnen Beobachtung. Überlappt derselbe Bereich zusätzlich mit einem Fair Value Gap, bestätigen zwei völlig unabhängige Analysemethoden dieselbe Schlussfolgerung — das reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen zufälligen Zusammenhang handelt.
ORDER BLOCK CONFLUENCE-ZONE
Order Block und Fair Value Gap überlappen sich zu einer gemeinsamen, stärker gewichteten Confluence-Zone.

PD Arrays im Chart identifizieren: Schritt für Schritt

  1. Bestimme zunächst die übergeordnete Range und teile sie in Premium und Discount.
  2. Suche innerhalb der relevanten Hälfte nach einem oder mehreren PD Arrays — beginne mit Order Blocks und Fair Value Gaps, da diese am häufigsten auftreten.
  3. Prüfe, ob sich mehrere Arrays überlappen (Confluence) — das erhöht die Gewichtung deutlich.
  4. Ordne den gefundenen Array anhand der Hierarchie-Tabelle grob ein, um seine relative Aussagekraft einzuschätzen.
  5. Bestätige die Zone zusätzlich mit Struktur — etwa einem Market Structure Shift — bevor du sie als vollständiges Setup behandelst.

Vollständiges Fallbeispiel

Um alle bisherigen Konzepte zusammenzuführen, folgt ein durchgehendes Beispiel. Klicke dich durch die drei Schritte, um zu sehen, wie sich mehrere PD Arrays innerhalb eines einzigen Setups aufbauen.
MSS BESTÄTIGT
MSS bestätigt den Strukturbruch → der davorliegende Order Block wird zur Referenzzone → ein überlappendes FVG verstärkt die Zone zu echter Confluence.

Fortgeschrittene Missverständnisse

Ein häufiges Missverständnis unter fortgeschritteneren Tradern: Mehr PD Arrays bedeuten nicht automatisch ein besseres Setup. Fünf verschiedene, aber schwache Arrays, die zufällig in derselben groben Preisregion liegen, sind keine echte Confluence — echte Confluence entsteht nur, wenn die Arrays sich tatsächlich präzise überlappen und jeweils für sich genommen bereits sauber definiert sind. Wer beginnt, in jeder kleinen Kursschwankung ein neues Array zu erkennen, verwässert die eigentliche Aussagekraft des Konzepts.
Ein zweites, subtileres Missverständnis: Nicht jeder PD Array ist als eigenständiger Einstiegspunkt gedacht. Manche — insbesondere NDOG/NWOG und Balanced Price Ranges — dienen häufiger als Zielzonen (wohin sich der Preis bewegen könnte) als als Einstiegszonen (wo man selbst eine Position eröffnet). Diese Unterscheidung zu verinnerlichen ist ein Zeichen fortgeschrittenen Verständnisses.

Häufige Fehler im Umgang mit PD Arrays

  • Jede kleine Preiszone als PD Array bezeichnenNicht jede geringfügige Unregelmäßigkeit im Chart ist ein bedeutsamer Array — Übertreibung entwertet das Konzept.
  • Die Hierarchie als absolute Regel behandelnSie ist eine Faustregel der Community, kein mathematisches Gesetz — Kontext kann sie im Einzelfall außer Kraft setzen.
  • Premium/Discount-Kontext ignorierenDerselbe Array-Typ kann je nach Position innerhalb der Range völlig unterschiedliches Gewicht haben.
  • Zielzonen wie eigenständige Einstiegssignale behandelnNDOG/NWOG und Balanced Price Ranges dienen häufiger als Kursziel denn als Einstieg.

FAQ

Was ist ein PD Array im ICT-Trading?+

Ein PD Array (Price Delivery Array) ist jede technische Referenzzone, die ICT-Trader nutzen, um wahrscheinliche Reaktionspunkte im Preisverlauf zu identifizieren – etwa Order Blocks, Fair Value Gaps oder Breaker Blocks. Der Begriff ist die Dachkategorie für alle diese einzelnen Konzepte.

Was ist der Unterschied zwischen einem Order Block und einem Mitigation Block?+

Ein Order Block ist die letzte gegenläufige Kerze vor einer starken, strukturbrechenden Bewegung. Ein Mitigation Block ist eine ähnliche, aber schwächere Zone – die letzte gegenläufige Kerze vor einer Bewegung, die zwar Liquidität abräumt, aber keinen vollständigen Strukturbruch auslöst.

Was bedeutet NDOG/NWOG?+

NDOG steht für New Day Opening Gap, NWOG für New Week Opening Gap. Beide bezeichnen die Preislücke zwischen dem Schlusskurs einer Handelsperiode und dem Eröffnungskurs der nächsten, die – ähnlich wie ein Fair Value Gap – oft später wieder angelaufen wird.

Was ist eine Balanced Price Range (BPR)?+

Eine Balanced Price Range entsteht, wenn sich ein bullischer und ein bärischer Fair Value Gap unmittelbar überlappen. Diese Überlappung gilt als besonders ausgeglichene, oft leicht anzulaufende Zone.

Sind alle PD Arrays gleich zuverlässig?+

Nein. In der ICT-Community hat sich eine informelle Rangfolge etabliert, in der manche Arrays – etwa ein Breaker Block mit überlappendem Fair Value Gap – als aussagekräftiger gelten als ein einzelner, isolierter Order Block. Diese Rangfolge ist jedoch keine feste Regel, sondern eine verbreitete Faustregel.

Was bedeutet Confluence im Zusammenhang mit PD Arrays?+

Confluence beschreibt das Überlappen mehrerer unabhängiger PD Arrays in derselben Preiszone – zum Beispiel ein Order Block, der gleichzeitig ein Fair Value Gap enthält. Je mehr unabhängige Arrays sich überlappen, desto höher wird die Zone in der Regel gewichtet.

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7 Fragen zu PD Arrays — direkt auswerten, keine Anmeldung nötig.

Frage 1 / 7
Was ist ein PD Array?
Frage 2 / 7
Welches PD Array entsteht aus drei Kerzen?
Frage 3 / 7
Was ist ein Rejection Block?
Frage 4 / 7
Wofür steht NDOG?
Frage 5 / 7
Was ist eine Balanced Price Range?
Frage 6 / 7
Sind alle PD Arrays gleich stark?
Frage 7 / 7
Was bedeutet Confluence?

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Hilft einzuordnen, in welcher Range-Hälfte ein gefundener PD Array liegt.
Live
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Kombiniert PD-Array-Zonen mit der präzisen Fibonacci-Einstiegszone.
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